Bavaria Cup 2004
Am Samstag, den 25.09.2004 um 3:30 Uhr morgens war es endlich soweit. Edith, Achim, Seppi, Liane, Bernhard, Birgit, Sigi, Christian, Heike und ich machten uns auf den Weg nach Vrsar.
Dort angekommen bezogen wir unser Boot, eine Bavaria 46 namens "Sun Manu" und Edith und Birgit suchten sich ein Hotel.
Am Sonntag ging es dann gleich richtig zur Sache. Die Regattastrecke war von Vrsar bis zur ca. 100 Seemeilen entfernten Insel Iz geplant und der Start war für 12:00 Uhr festgelegt. Bei schönem Wind segelten wir bereits fleißig vor Vrsar herum und Christian lag noch etwas träge auf dem Vorschiff herum. Um 11:30 Uhr rappelte er sich mühsam hoch und fragte: "Sind wir eigentlich schon gestartet?" Tja, der Christian ist eben immer für ein Späßchen gut.
Nachdem wir dann tatsächlich um 12:00 Uhr gestartet waren, segelten wir südwärts und fuhren bei den ersten Booten mit.
Der Wind frischte immer mehr auf und als wir dann über den Kvarner segelten erreichte der Wind Spitzengeschwindigkeiten von 41 Knoten (= Windstärke 9 = Sturm). Die Wellen türmten sich ca. 3 m hoch auf und die Gischt spritzte oft über das ganze Boot. Zu unserer Sicherheit legten wir Schwimmwesten an und sicherten uns alle am Boot. Vor allem Sigi und Christian zeigten großen Einsatz, weil sie bei sehr stürmischer See immer wieder zum Mast mußten, um das Großsegel zu reffen oder dann auch wieder auszureffen.
Achim steuerte uns sicher durch die Wellen und Bernhard navigierte wunderbar, so dass wir um 0:15 Uhr endlich am Ziel auf der Insel Molat eintrafen. (Das Ziel war zwischenzeitlich auf die Insel Molat geändert worden.) Im Zieleinlauf waren wir, glaube ich, 4. oder 5. Boot.
Diese Fahrt war für mich schon ein besonderes Erlebnis, weil ich solche Naturgewalten auf dem Meer noch nie in einem Segelboot erlebt habe. Allerdings war ich auch sehr froh, gute Leute dabei zu haben, so dass ich nie das Gefühl hatte, dass etwas schief läuft. Wie wir dann später erfahren haben, ist in dieser Nacht auf der gleichen Strecke, nur etwas weiter draußen auf dem Meer, eine Österreicherin ertrunken.
Am 2. Tag konnten wir uns auf der Insel Molat erholen und nachdem der Ort aus vielen leeren Häusern und einem bereits geschlossenen Lokal bestand, plünderten wir unsere Weinvorräte.
Am 3. Tag ging die Regatta dann von Molat nach Mali Losinj, wo wir am Abend mit Birgit und Edith verabredet waren (hat ja alles bestens funktioniert). Beim Start zeigte Achim wieder einmal sein Können, als wir als 1. Boot die Startlinie überquerten. Wir segelten auch sehr gut, an Bord klappte alles perfekt, so dass wir uns als erstes Boot der Ziellinie näherten. (Zwischenzeitlich waren wir zurück gefallen, weil einige Boote eine andere Route gesegelt waren und vor uns lagen, aber die hatten wir bereits wieder geschnappt.) Als wir bereits Kurs auf die Ziellinie nahmen, sie war noch ca. 3 Seemeilen entfernt, wurde diese per Funk verlegt und zwar weg von uns und hin zum 2. und 3. Boot. Wo gibt es denn so etwas!!! Da die restliche Strecke zu kurz war, um noch irgendetwas zu erreichen, segelten wir dann als 3. Boot durch das Ziel. Bei der Skipperbesprechung wurde hierzu nur gesagt, dass wir sowieso so gut wären und uns darüber doch nicht aufregen sollten. Ist ja nett!!!
Am 4. Tag fuhren uns Achim (Steuermann) und Bernhard (Navigation) mit einem gelungenen Start-Ziel-Sieg bei 4 Windstärken auf den 1. Platz der Gesamtwertung. Ziel war übrigens Veruda. Am Abend bekochte uns Christian bravourös, aber ich hoffe, Heike hat es inzwischen verkraftet, dass sie Christian nicht einmal zeigen durfte, wie sie Zwiebeln kleinschnitt. Christian hat sie sofort mit den Worten "das machst Du nicht richtig" (oder so ähnlich) aus der Kombüse verbannt. Sie durfte dann Kartoffeln schälen. Immerhin!!! Das Essen schmeckte aber vorzüglich und Christian hat wirklich großes Geschick beim Kochen. Beneidenswert!!!
Vermutlich dank unserer guten Platzierung (1. Platz) fingen am 5. Regattatag unsere massiven Probleme mit der Regattaleitung von Walter Simm (AMS Yachting) an. Die Startlinie wurde sehr nah an einen Felsenhaufen gelegt, so dass Achim Walter Simm auf die großen Gefahren hinwies. In diesem "netten Gespräch" sind Worte gefallen +++ zensiert +++. Die Startlinie ist dann so geblieben (ein anderes Boot kam noch haarscharf an den Felsen vorbei) und wir mußten beim Start ausweichen, weil uns sonst ein anderes Boot, das selbst ausweichen mußte, gerammt hätte. Per Funk kam, wie sonst bei dieser Regatta üblich, ebenfalls keine Meldung, dass irgendetwas beim Start nicht in Ordnung gewesen wäre.
Die Regatta war eine reine Vorwindregatta und Achim ärgerte sich, dass er nicht seinen eigenen Gennaker mitgenommen hatte. Unser Spinnaker war nämlich sehr klein und viele hatten entgegen der Ausschreibung ihre eigenen, viel größeren Segel mitgenommen. Am Ende erreichten wir als 4. oder 5. Schiff den Zielhafen von Vrsar. Im Hafen wurden wir noch von der Firma Stecher zu einer gemütlichen Brotzeit eingeladen und dort erfuhren wir dann die Neuigkeit des Tages: Wir waren für diesen Regattatag aufgrund von Rangelei am Start disqualifiziert worden. Hätten wir denn lieber das Boot, das uns behinderte, rammen sollen???
Für mich stand dann endgültig fest: Zu dieser Regatta fahre ich nicht mehr, weil man hier nicht sportlich und fair behandelt wird. Er nimmt zwar unser Geld, obwohl er genau weiß, dass wir Regatta-Segler sind, aber letztendlich hat er uns wie den letzten Dreck behandelt. Proteste wurden nicht einmal angehört und er ist sogar davon gelaufen als Bernhard mit ihm reden wollte. Nachdem er uns mehrmals empfohlen hat am Chiemsee zu bleiben, werde ich diesen Rat gerne befolgen. Ihn werde ich bestimmt nicht mehr belästigen und ich hoffe, dass dies im nächsten Jahr noch mehrere Bootsbesatzungen tun werden, die diese offensichtliche Ungerechtigkeit ebenfalls mitbekommen haben?
Die Stimmung war dann natürlich etwas gedrückt und am letzten Regattatag traten wir dann gar nicht mehr an. Wir nahmen Edith und Birgit an Bord und segelten nach Rovinj. Dort machten wir uns noch einen schönen Tag und am Samstag machten wir uns dann wieder auf die Heimreise. Daheim empfing uns Christel Thüring mit einem wunderbaren Schweinebraten mit selbstgemachten Kartoffelknödel und Krautsalat sowie einer Mousse au Chocolate. Hmmmmmm...
Wenn man mal die diversen Ungerechtigkeiten der Regattaleitung beiseite läßt, war es für mich eine sehr schöne Urlaubswoche. Wir hatten tolle Segeltage und gerade die erste Fahrt bei Windstärke 9 war schon ein besonderes Erlebnis für mich. Da die Konkurrenz ja bekanntlich nicht schläft, werden wir ja sehen, ob es für uns im nächsten Jahr nicht eine bessere Veranstaltung gibt.
Eure Birgit
